Hamburg:Pur

Viele Grüße aus Bergen

Nadja Gebhardt (26) studiert Skandinavistik und Kunstgeschichte und kennt sich bestens aus in Norwegens Künstlermetropole. Für Hamburg:Pur schrieb sie die besten Tipps auf.

Mit der Melancholie von The White Birch im Ohr und der Nase an der Scheibe ist an Schlaf nicht zu denken. Eher: Wie auf dem Mond. Mit Schnee. Vereisten Seen. Und norwegischen Holzhäuschen. Denn kurz nach Oslo verwandelt sich die rabenschwarze Finsternis im Zugfenster in eine weiße glänzende Zuckergußlandschaft über die sich das kühle Licht des Mondes wie eine Quecksilberschicht legt. In der eisigen Morgenluft irre ich samt sieben Sachen zur Jugendherberge dorm.no, die mich in ihren beheizten Schoß aufnimmt und nach einem äußerst notwendigen Nickerchen wieder ausspuckt. Die Sonne räkelt sich im Osten, scheint nicht so recht aus den Federn zu kommen. Mein Magen knurrt, Frühstück muss her: im Godt Brød lassen einem die rundstykker (Plunderteilchen) in Hülle und Fülle schnell das Hungergefühl überschätzen. Kleine gefrorene Atemwolken lasse ich am Hafen zurück, wie auch all diejenigen, die vor den Cafés die zehn Grad minus bekämpfen, bewaffnet mit Fleecedecken und dampfenden Tassen. Ich rieche salzige Hanseluft auf Bryggen, dem deutschen Viertel und werfe Blicke Richtung Schären mit der Festung im Nacken. Genau da will ich hinschippern. Morgen. Jetzt stehe ich in einem Süßwarenladen beim Bergen Kino, wo das Kinderherz in mir wieder zu schlagen beginnt … Gummibären, Lakritzschnecken kaufen hier nur Langweiler. Die Tüte ist leer, mir ist schlecht. Da hilft nur ein ordentliches rekebrød (Krabbensandwich) im Stenersen Café.
Dunkel locken die Wälder, doch zieht es mich jetzt nach drinnen. Der Indiepop-Bär steppt im Hulen, vielleicht auch ein Elch, egal, wir tun ihm jedenfalls gleich und mit uns eine Horde mit vorgeglühten Blicken aus Selbstgebranntem.
Ein verkaterter Blick über die Reling in die Badeschaum-Gischt. Grau in Grau, passend zu dem Schwarzweißfilm in meiner Kamera. Die Sonne scheint mir auf die Nase und die Schären umgeben mich mit einem Zauber, der weiße Kaninchen aus Zylinder krabbeln läßt, Zwergkaninchen vielleicht.
Die Zeitmaschine, die mich inmitten von mittelalterlichem Treiben erwachen lässt, ist das mächtige Portal einer Stabkirche, durch das ich in der Kulturhistorischen Abteilung des Bergen Museum schreite. Rechts und links fauchen mich in einem heillosen Durcheinander von Schnörkeln Monster und Drachen an, gewohnt zwischen Fjord und Fjell dem Bösen zu trotzen. Damals. Jetzt treiben sie lediglich mich hinaus. Frohen Sinns. Auf den Nachhauseweg durch Schnee und Eis.

Wie reisen?
Nachtzug Oslo-Bergen, Minipris www.nsb.no 199–299 NOK
Flug Hamburg-Bergen/Oslo, www.norwegian.no

Wo übernachten?
Jugendherberge http://www.dorm.no, Kong Oscarsgt. 46, 165 NOK
Jacobs Apartements www.apartements.no, Kong Oscarsgt. 46, 385–860 NOK

Wo essen?
Godt Brød, Vestre Torvgate 2,   http://www.bakeverksted.no/
Café Stenersen, Rasmus Meyers allé 5
Jacobs Café, Kong Oscarsgt. 46

Wo feiern?
Hulen (ältester Rockclub Norwegens in ausrangiertem Luftschutzbunker), Olaf Ryes Vei 48, www.hulen.no
Garage, Christiesgate 14, www.garage.no
Landmark, Rasmus Meyers allé 5, http://www.kunsthall.no/landmark

Was sehen?
Skjærgårdsbåtstur http://www.cruise-norway.no
Bergen Kunsthall, No.5, Rasmus Meyers allé 5, www.kunsthall.no
Bergen Kino, Neumannsgt. 3, http://www.filmwebb.no/bergenkino
Bergen Museum, Kulturhistorische Abteilung, Haakon Sheteligs plass 10

Was hören?
The White Birch www.myspace.com/thewhitebirch

Was lesen?
Erlend Loe, Die Tage müssen anders werden. Die Nächte auch, Knaur Verlag
Lars Saabye Christensen, Yesterday, btb Verlag