Tanzplattform Deutschland

Gintersdorfer / Klaßen LOGOBI #01, #02, #04, #05
Logobi ist ein Straßentanz von der Côte d’Ivoire. Man spricht und singt mit Gesten, man sucht zu gefallen.„Es ist ein Tanz für Gangster“. Zwei Tänzer, ein deutscher und ein ivorischer, begegnen einander auf leerer Bühne zu einem Dialog vor Publikum. Der Ivore erzählt von traditionellem afrikanischem Tanz und Straßentänzen wie Logobi und Coupé Decalé, der Deutsche übersetzt und erklärt seinerseits die Ansätze des zeitgenössischen europäischen Tanzes. Die Reihe dieser Lecture-Performances zeigt sowohl Unterschiede als auch Parallelen auf. Es geht dabei um verschiedene Bewegungformen, deren Bedeutung und Inhalte in unterschiedlichen Kontexten. Die entstehenden Dialoge und Demonstrationen lassen die afrikanische Vorstellung von Tanz auf das Konzept des europäischen Tanzes prallen. Ob es dabei um Tanz geht oder um mehr, bleibt der Interpretation des Zuschauers überlassen.

Seit vier Jahren entwickeln die Schauspielregisseurin Monika Gintersdorfer und der bildende Künstler Knut Klaßen gemeinsame Projekte, die sich im Kontext performativer Formen von Film, Theater und Tanz bewegen. Mit der Gegenüberstellung von zeitgenössischer und traditioneller Kultur in Afrika und Europa in für Gintersdorfer / Klaßen typischer Kombination aus Bewegung und Text, schaffen sie eine Brücke für die Begegnung unterschiedlicher Tanzkulturen. Mit ihrem deutsch-ivorischen Team realisierten sie u.a. die fünfteilige Tanzreihe LOGOBI, von der vier Stationen hier zu sehen sind, und mit Unterstützung des Goethe-Instituts das Festival Abidjan Mouvement an der Elfenbeinküste.

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Logobi #04

 


Jared Gradinger / Angela Schubot WHAT THEY ARE INSTEAD OF
In WHAT THEY ARE INSTEAD OF abstrahieren Jared Gradinger / Angela Schubot mittels Bewegung und Atmung das unablässige Miteinander zweier Körper. Bewegung im gleichen Rhythmus. Im Stehen, im Liegen, im Sitzen: in allen Lagen. Die Körper der beiden Tänzer, die keinen Moment in Ruhe zu sein scheinen, verwachsen zu einem symbiotischen Wesen im Spannungsfeld von Balance, Kampf, Energie und Wiederholung. Die Intimität der beiden Körper wird durch das distanzlose Aneinanderfesthalten im
ständigen Gegen- und Miteinander zur Spitze getrieben. In monotoner Weise agieren die beiden Tänzer zwischen Distanz und Nähe, Vertrautheit und Fremdheit und werfen die Frage nach den Grenzen des gemeinsamen Seins auf. Wie kann man zusammen existieren?

Jared Gradinger / Angela Schubot trafen sich vor neun Jahren und arbeiteten zum ersten Mal 2009 im Rahmen des Pictopia Festivals im Haus der Kulturen der Welt Berlin in WHAT THEY ARE INSTEAD OF zusammen. Angela Schubot arbeitet seit zehn Jahren gemeinsam mit Martin Clausen als Two Fish an und in Stückentwicklungen mit Bewegung und Text. Das Material entwickelt sich aus den Charakteren der Performer und ihren Bildern von Menschen als denkenden, sprechenden und sich bewegenden Organismen. Der Amerikaner Jared Gradinger arbeitet seit 2002 als Performer in Berlin. Er ist eines der Gründungsmitglieder von Constanza Macras / Dorky Park und war an sieben Hauptwerken der Kompanie, sowie an Workshops beteiligt. Seit zwei Jahren ist er als Kurator für les grandes traversées in Bordeaux tätig. Seine Videoarbeiten wurden in Europa, Kanada und Asien gezeigt.

 


Richard Siegal / The Bakery AS IF STRANGER
Der tänzerische Körper ist in die düstere Leere eines technisierten Raumes zurückgeworfen und initiiert mit seinen Bewegungen ein Pas de Deux zwischen Körper und Technik. Eingebettet ins feindlich erscheinende Dunkel, ringt der Körper Siegals mit sich, windet sich in fließenden Bewegungen. Siegal nimmt die von ihm entwickelte if/then- Methode als Basis für sein choreo-graphisches System. So folgt automatisch auf die Aktion X die Reaktion Y und es entsteht ein gameplay, eine spielerische Interaktion zwischen Tanz und Tänzer, die eine oder mehrere kausal verbundene Reihen von Herausforderungen in einer simulierten Umgebung darstellt. Die Frage, wer wen steuert – der Körper die Technik oder vice versa – begleitet das Publikum durch die intermediale Performance hindurch, in der Sol Lewitt, John Baldessari, John Cage, Friedrich Nietzsche und Gertrude Stein als Zitate aus Literatur und Bildender Kunst anwesend sind.

Der aus New York stammende Richard Siegal gründete 2002 The Bakery (Berlin, Frankfurt) als Produktions- und Researchplattform für innovative choreographische Projekte. Er leitet Workshops für D.A.N.C.E. Brüssel, kuratiert das jährlich stattfindende Forsythe-Festival. Siegal war von 1997 bis 2004 Tänzer des William Forsythes Ballett Frankfurt. 2008 war er Artist-In-Residence am ZKM Karlsruhe. AS IF STRANGER ist der dritte Teil seiner Stranger-Trilogie und wurde 2008 mit einem Bessie ausgezeichnet, nachdem der zweite Teil im Jahr zuvor den Mouson Award gewann.

C-scope If On the picture: Richard Siegal

„Tanzplattform Deutschland 2010” Programmheft – Auszüge Produktionen 

 



ONE STEP AHEAD
Die TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND 2010 findet vom 25. – 28. Februar in Nürnberg statt

Revolver. Verquere Hotelgäste. Afrikanischer Tanz – modern und traditionell. Lachen. Intimität zweier Körper. Gedanken eines Amokläufers. Dore Hoyer reloaded. Liebe, Tod und Teufel. Tanz als BabelFisch. MenschMaschine. Die Themen der TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND 2010 sind vielfältig. In ihren Herangehensweisen an den zeitgenössischen Tanz spannen die Choreografen einen Bogen von der Lecture Performance über intermediale Konzepte bis hin zur Auseinandersetzung mit interkulturellen Aspekten. Die diesjährige Jury, bestehend aus der freien Tanzjournalistin Melanie Suchy, dem Choreografen und Tänzer Jochen Roller und aus dem Veranstalterteam Michael Bader und Gerti Köhn der Tafelhalle im KunstKulturQuartier Nürnberg, hat aus über 200 Produktionen der letzten zwei Jahre elf Choreografen ausgewählt.
An vier Tagen werden folgende Stücke präsentiert: „Ich sah: das Lamm auf dem Berg Zion, Offb. 14,1“ von VA Wölfl / Neuer Tanz. „Hotel Hassler“ von Wilhelm Groener. Vier Teile der „Logobi“-Reihe von Gintersdorfer Klaßen. „The Corner“ von Ludica. (Nardi / Tanaka). „Lachen“ von Antonia Baehr. „What they are instead of“ von Jared Gradinger / Angela Schubot. „Jailbreak Mind“ von Fabien Prioville. „Urheben Aufheben“ von Martin Nachbar. „Liebe | Tod | Teufel – Das Stück“ von der Ben J. Riepe Kompanie. „Babel Fish Moves – Universal Movement Translations“ von Monica Antezana. Und „As if Stranger“ von Richard Siegal / The Bakery.
Vormittags finden öffentliche Präsentationen des Tanzplanes der Kulturstiftung des Bundes und des Nationalen Performance Netzes sowie moderierte Publikumsgespräche statt. Darüber hinaus wird das European Dancehouse Network (EDN) in ihren Meetings über internationale Projekte der Zusammenarbeit sprechen. Und Fachbesucher können sich in moderierten Publikumsgesprächen austauschen. Zu den Co-Veranstaltern gehören renommierte Tanzhäuser wie das Hebbel am Ufer (Berlin), die TanzWerkstatt Berlin, das Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main, JOINT ADVENTURES München, Kampnagel Hamburg, die euroscene Leipzig, das tanzhaus nrw Düsseldorf, das Theaterhaus Stuttgart und das TANZtheater INTERNATIONAL Hannover.

Weitere Informationen zum Programm und die Akkreditierungsunterlagen für Presse und Fachbesucher finden Sie auf unserer Website: http://www.tanzplattform2010.de.

TanzRaumBerlin 1–2 2010 – Redaktionelle Anzeige